In diesem Ratgeber
Die Ausbildung ist das duale Berufsbildungssystem in Deutschland und einer der praktischsten Wege zu einer Karriere hier. Sie lernen und arbeiten die meiste Zeit im Betrieb, besuchen teilweise die Berufsschule und werden vom ersten Monat an bezahlt. Nach zwei bis dreieinhalb Jahren haben Sie einen bundesweit anerkannten Abschluss, den Arbeitgeber in ganz Deutschland schätzen.
Weil in den letzten Jahren Hunderttausende Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, öffnen sich deutsche Betriebe zunehmend für internationale Bewerberinnen und Bewerber.
So funktioniert das duale System
- Betrieb: drei bis vier Tage pro Woche echte Arbeit unter Anleitung.
- Berufsschule: ein bis zwei Tage pro Woche oder im Blockunterricht über mehrere Wochen.
- Dauer: meist drei Jahre, in manchen Berufen zwei, in technischen Berufen bis zu dreieinhalb.
- Abschlussprüfung: vor der zuständigen Kammer, etwa der IHK oder der Handwerkskammer (HWK).
Es gibt mehr als 300 anerkannte Ausbildungsberufe. Beliebt bei internationalen Bewerbern sind unter anderem:
- Gastronomie und Hotellerie: Koch/Köchin, Fachkraft für Hotelleriemanagement, Fachkraft für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie
- Logistik: Fachkraft für Lagerlogistik, Berufskraftfahrer/-in
- Handwerk und Technik: Elektroniker/-in, Anlagenmechaniker/-in SHK, Mechatroniker/-in, Kfz-Mechatroniker/-in
- IT: Fachinformatiker/-in für Anwendungsentwicklung oder Systemintegration
- Handel und Büro: Verkäufer/-in, Kaufmann/-frau für Büromanagement
Voraussetzungen für Bewerber aus Nicht-EU-Staaten
1. Ein Ausbildungsvertrag
Sie brauchen einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag mit einem deutschen Betrieb in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Der Betrieb lässt den Vertrag bei der zuständigen Kammer eintragen.
2. Deutschkenntnisse
Die meisten Betriebe und Berufsschulen erwarten Deutsch auf B1-Niveau, weil Unterricht und Prüfungen auf Deutsch stattfinden. Manche Betriebe akzeptieren A2 mit verbindlichem Sprachkurs, doch B1 erleichtert alles, vom Visum bis zur Prüfung.
3. Schulabschluss
Ihr Schulabschluss muss mindestens einem deutschen Schulabschluss der Sekundarstufe entsprechen. Betriebe und Kammern verlangen oft eine Bewertung, und manche Berufe setzen ein höheres Niveau voraus.
4. Genug Geld zum Leben
Ihre Ausbildungsvergütung muss Ihren Lebensunterhalt decken. Für 2026 gilt als Richtwert rund 1.091 € pro Monat. Liegt Ihre Vergütung nach Abzügen darunter, müssen Sie die Lücke schließen, etwa mit einem Sperrkonto oder einer Verpflichtungserklärung.
5. Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit
Für die meisten Ausbildungsberufe muss die Bundesagentur für Arbeit der Ausbildungsstelle zustimmen. Sie prüft, ob Vergütung und Bedingungen angemessen sind.
Ausbildungsvergütung 2026
Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung für Ausbildungen mit Beginn 2026 beträgt:
| Ausbildungsjahr | Mindestvergütung pro Monat |
|---|---|
| 1. Jahr | 724 € |
| 2. Jahr | 854 € |
| 3. Jahr | 977 € |
| 4. Jahr | 1.014 € |
Viele Branchen zahlen nach Tarifvertrag deutlich mehr, vor allem Industrie, öffentlicher Dienst und Logistik. Gastronomie und einige Handwerksberufe liegen näher am Minimum, deshalb ist der Finanzierungsnachweis wichtig.
Das Visum: zwei Wege
Weg A: Sie haben bereits einen Ausbildungsvertrag
Beantragen Sie bei der deutschen Auslandsvertretung ein nationales Visum zur Berufsausbildung. Typische Unterlagen:
- Reisepass und biometrische Fotos
- unterschriebener Ausbildungsvertrag
- Deutschzertifikat (meist B1)
- Schulabschluss mit beglaubigter Übersetzung und ggf. Bewertung
- Finanzierungsnachweis (Ausbildungsvergütung und ggf. zusätzliche Mittel)
- Krankenversicherung
- Lebenslauf und Motivationsschreiben
Die Visumgebühr beträgt 75 €. Die Bearbeitung dauert einige Wochen bis wenige Monate, abhängig von Vertretung und Zustimmung der Arbeitsagentur.
Weg B: Einreise zur Ausbildungsplatzsuche
Wenn Sie unter 35 sind, Deutsch auf B1-Niveau sprechen, einen Schulabschluss mit Hochschulzugang haben und Ihren Lebensunterhalt sichern können (2026 rund 1.091 € pro Monat), können Sie eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausbildungsplatzsuche für bis zu neun Monate beantragen. In dieser Zeit dürfen Sie bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten und bis zu zwei Wochen Probearbeit bei einem möglichen Ausbildungsbetrieb leisten.
Einen Ausbildungsplatz finden
- Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit mit Tausenden Ausbildungsstellen
- Lehrstellenbörsen der Kammern (IHK und HWK)
- Make it in Germany, das offizielle Portal der Bundesregierung für Fachkräfte, mit Informationen für internationale Bewerber
- Direktbewerbungen bei Betrieben in Engpassbranchen, besonders bei kleineren Betrieben außerhalb der Großstädte
Ausbildungen beginnen meist am 1. August oder 1. September, und Betriebe suchen oft neun bis zwölf Monate im Voraus. Fangen Sie früh an.
Nach der Ausbildung
Nach bestandener Abschlussprüfung:
- erhalten Sie eine Aufenthaltserlaubnis von bis zu 12 Monaten zur Jobsuche in Ihrem Beruf,
- wechseln Sie mit einer passenden Stelle in eine Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft,
- werden viele Auszubildende direkt von ihrem Betrieb übernommen.
Nach einigen Jahren qualifizierter Beschäftigung und mit ausreichenden Deutschkenntnissen ist eine Niederlassungserlaubnis möglich.
Häufige Fehler
- Ohne ausreichende Deutschkenntnisse starten. B1 ist keine Formalität; die Berufsschule ist anspruchsvoll.
- Nicht prüfen, ob die Vergütung den Finanzierungsnachweis erfüllt.
- Einen Vertrag mit einem Betrieb ohne Ausbildungsberechtigung oder in einem nicht anerkannten Beruf unterschreiben.
- „Agenten“ für einen garantierten Ausbildungsplatz bezahlen. Lesen Sie, woran Sie unseriöse Visumberater erkennen.
Wie wir helfen
Wir vermitteln Bewerberinnen und Bewerber an passende Ausbildungsbetriebe, prüfen, ob Vertrag, Vergütung und Deutschniveau die Visumvoraussetzungen erfüllen, und bereiten die Unterlagen mit Ihnen vor. Erzählen Sie uns von Ihrem Hintergrund, und wir sagen Ihnen ehrlich, ob eine Ausbildung für Sie realistisch ist.
Häufige Fragen
Können Ausländer in Deutschland eine Ausbildung machen?
Ja. Staatsangehörige aus Nicht-EU-Staaten können mit einem Ausbildungsvertrag eines deutschen Betriebs, ausreichenden Deutschkenntnissen (meist B1), einem anerkannten Schulabschluss und genug Einkommen zum Leben eine Ausbildung machen. Vor der Reise beantragen Sie ein nationales Visum zur Berufsausbildung.
Wie viel verdient man 2026 in der Ausbildung?
Die gesetzliche Mindestvergütung für Ausbildungen mit Beginn 2026 beträgt 724 € im ersten, 854 € im zweiten, 977 € im dritten und 1.014 € im vierten Ausbildungsjahr. Viele tarifgebundene Branchen zahlen mehr, oft 1.000 bis 1.300 € im ersten Jahr.
Gibt es eine Altersgrenze für die Ausbildung?
Für die Ausbildung selbst gibt es keine gesetzliche Altersgrenze. Das gesonderte Visum zur Ausbildungsplatzsuche in Deutschland steht aber nur Menschen unter 35 Jahren offen.
Kann ich nach der Ausbildung in Deutschland bleiben?
Ja. Nach bestandener Abschlussprüfung erhalten Sie eine Aufenthaltserlaubnis von bis zu 12 Monaten zur Jobsuche. Mit einer Stelle in Ihrem Beruf wechseln Sie in eine Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft.
Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und keine individuelle Rechtsberatung. Regeln und Beträge ändern sich; prüfen Sie die aktuellen Anforderungen immer bei der zuständigen Behörde oder Auslandsvertretung.
